Balmhorn Nordwand (3690 m)

Eindrückliches Serac im oberen Teil der Wand
Eine sehr eindrückliche Norwand durch den grossen Gletscher, der sie bedeckt. Die Wand ist sehr hoch und mit den blauen Seracs in der Wand sehr spannend. Grossartig auf die Wand zurück zu blicken, wenn man sie befahren hat!
ROUTENDETAILS
S, 45°, III, 1780 Hm ↑, 2540 Hm ↓, 6:00 h ↑, 18 km ↑↓
MATERIAL
Skihochtourenausrüstung, Steigeisen, 1-2 Pickel
TOURENBERICHT

Immer wieder habe ich diese grossartige Wand aus der Ferne gesehen und es kaum für möglich gehalten, dass man diese durchsteigen oder sogar mit Ski befahren kann. Gerade weil sie so nah war, übte sie eine grosse Anziehungskraft auf mich aus. Und auch, weil sie so einsam oberhalb des wilden Gasterentals gelegen ist, welches mich sehr an die grossen unerschlossenen Täler in den Southern Alps der Südinsel von Neuseeland erinnert.

Die Tour startete schon gut. Für den Zustieg hatte ich das Gravelbike meiner Freundin im Zug mitgenommen und das Vorderrad abmontiert, damit ich es dort in einer Tasche transportieren konnte. In Kandersteg stieg ich aus und genau in dem Moment, in dem der Zug losfuhr realisierte ich, dass die Vorderachse des Velos noch im Zug war. Nun hatte ich ein schönes Rad, das aber nicht wirklich fahrbar war. Zum Glück kann man so ein Rad auch ohne Vorderachse fahren, allerdings wie auf rohen Eiern und sehr langsam. Die nächste Hürde erwartete mich dann bei Eggeschwand, wo der Wanderweg Richtung Waldhus aufgrund von Felsarbeiten gesperrt war. Da es aber keine vernüftige Alternative gab, nahm ich ihn trotzdem und trug das Rad dort hoch. Oben im Gasterental ging es dann gut zu fahren, so gut, dass ich die Abzweigung zur Hütte verpasste und wieder zurück musste. Ich deponierte das Velo im Wald und machte mich mit Ski und Skischuhen auf dem Rücken, sowie Biwakausrüstung auf den Weg hoch zur Hütte.

Dieser war noch fest im Winterzustand, der ausgesetzte Weg war mit einigen Steinen bedeckt, teils auch mit Zweigen und Erdbüscheln. Manchmal war er auch kaum erkennbar, so viel Material lag drin. Auch war er grösstenteils noch mit Schnee bedeckt. An einer Stelle lag so viel Schutt auf dem Schnee, dass der Schnee gar nicht mehr sichtbar war.

Erst beim Überqueren dieser Stelle realisierte ich, dass unter dem Schutt noch der Schnee vom Winter lag. Der Weg war ausgesetzt und langsam zogen Wolken ins Tal, die Stimmung hatte etwas abweisendes. Ich kam gut voran, einzig meine Trailrunning-Schuhe wurden immer nasser durch den Schnee, der nun vollständig den Weg bedeckte. Kurz bevor ich die steile Wand hinter mir hatte, endete der Weg abrupt vor einer kleinen Schlucht und führte auf der anderen Seite weiter. Ich realisierte, dass dort im Sommer eine Brücke stand, die demontiert war. Ich schaute mich etwas um, aber es gab keinen direkten Weg über diese Schlucht, auch wenn sie nicht sehr tief war. So ging ich direkt die Flanke neben ihr hoch durch den tiefen Schnee und konnte zum Glück weiter oben den Bach queren, wo keine Schlucht mehr vorhanden war. Nun folgte eine längere Passage durch den Schnee, so dass meine Füsse endgültig nass wurden. Die Hütte war nicht weit entfernt, aber durch das Spuren dauerte es doch ein wenig.

ZUSTIEG UND HÜTTE
Kandersteg, Talstat. Sunnbüel (1197 m) oder Kandersteg (1171 m)

Die Balmhornhütte ↗ ist eine kleine, ursprüngliche Hütte mit 20 Schlafplätzen. Ausserhalb der Saison ist der Winterraum offen, in dem Schlafplätze, Essraum und Küche in einem Raum sind. Vor der Türe befindet sich im Winter ein Lawinenschutz, der entfernt werden muss. In der Hütte ist Holz vorhanden und reichlich Kochmöglichkeiten, aber kein Licht. Die Hütte kann hier ↗ reserviert werden.

Zustieg: Von Eggeschwand den Wanderweg hoch auf die Strasse, die ins Gasteretal führt. Bei P. 1352 über die Brücke und die Schotterstrasse zum Waldhus. Von dort nach links/Südosten in Gasteretal bis zu P. 1367. Dort abzweigen zum Hüttenweg der Balmhornhütte. Der Weg bis hier kann mit dem Gravelbike abgekürzt werden. Nun den ausgesetzten Hüttenweg hoch zur Balmhornhütte folgen. Dieser ist im Winter/Frühjahr nicht unterhalten, daher sind die Versicherungen nur zum Teil vorhanden und es liegt viel Material auf dem Weg (Steine, Schutt, Erdbüschel, Zweige). Die Brücke östlich von P. 1776 ist im Winter demontiert, die kleine Schlucht kann aber etwas weiter oberhalb umgangen werden. Dann Querung nach links/Osten zur Hütte.

SCHLÜSSELSTELLEN
  • Der Hüttenweg kann anspruchsvoll sein, da im Winter viele Steine, Zweige und Schnee darauf landen und Teil der Absicherungen (Stahlkabel) demontiert werden.
  • Auf etwa 2870 m befindet sich ein Felsriegel, der überwunden werden muss. Dieser ist zum Teil mit einem Stahlkabel versehen. Allerdings sind die ersten 5 Meter nicht versichert (III), welche durchaus anspruchsvoll sein können, wenn man mit Ski auf dem Rücken und Schneeauflage auf den Felsen dort hinauf klettert.
  • Eine optionale Schlüsselstelle der Tour sind die Seracs auf etwa 3370 m, durch die man hindurch muss, wenn man eine Direktbefahrung der Wand in Angriff nimmt. In meinem Fall war diese Stelle so blank, dass ich keinen Weg zum Durchkommen gefunden habe für die Abfahrt. Für den Aufstieg konnte ich einen kleinen Durchschlupf finden, der aber für die Abfahrt nicht ausgereicht hat. Die gesamte Stelle kann überwunden werden, indem auf etwa 3350 m auf die linke/östliche Seite der Wand gequert und dann dort aufgestiegen wird.
  • Die Wand ist gletscherbedeckt, daher auf Spalten aufpassen. Insbesondere auf die Querspalten auf 3570 m kurz unterhalb vom Gipfel!
KARTE UND GPX-TRACK

Der GPX-Track kann hier ↗ heruntergeladen werden. (Der Track wurde auf der Tour aufgenommen und leicht korrigiert)
LITERATUR UND TOURENBERICHTE
TOURENBESCHREIBUNG

Von der Balmhornütte kurz Richtung P. 1945 und dann bei Wildelsige unterhalb der Seitenmoräne aufsteigen. Auf etwa 2150 m nach rechts/Westen queren bis fast an die grosse Felswand. Nun auf den Balmhorngletscher und diesem leicht Osten folgen. Dann den Flächen Richtung P. 2813 folgen. Diese Hänge werden zunehmend steiler. Den Felsriegel überwindet man auf etwa 2850 m. Dort etwa 4-5 m freie Kletterei (III), bis man Kabel erreicht, die durch den Riegel führen. Nun in die Mitte des Gletschers queren und bis etwa 3350 m aufsteigen. Von dort nach links/Osten queren Richtung Nordgrat und nahe des Grates bis auf etwa 3500 m aufsteigen. Dann nach rechts/Westen queren bis auf etwa 3560 m. Von dort recht direkt hinauf zum Gipfelgrat und schliesslich in wenigen Minuten zum Gipfel.

Abfahrt über die Aufstiegroute. Bei 2900 m wieder zurück über den Felsriegel queren. Die weitere Abfahrt über die Aufstiegsroute.

ALTERNATIVEN
  • Direktabfahrt (SS+, 50°): Die Wand kann auch direkt abgefahren werden zwischen 3370 m und 3470 m. Diese Stelle ist von der Wegfindung komplex, so dass man aber wissen sollte, wo man genau durchkommt (z.B. durch Aufstieg von unten). Bei meiner Befahrung war diese Passage blank, so dass eine Befahrung nicht möglich schien.
  • Abfahrt unterer Gletscher: Anstatt bei 2900 m über den Felsriegel zurück abzusteigen und über die Aufstiegsroute abzufahren kann bei guter Schneelage nach Nordwesten gequert werden, so dass eine Befahrung der ganzen Wand gelingt. Der untere Teil dieser Variante kann aber blank und so anspruchsvoll sein. Auf etwa 2500 m trifft man wieder auf die Aufstiegsroute.
  • Aufstieg Normalroute: Die Nordwand kann auch theoeretisch nach Aufstieg über die Normalroute befahren werden (Zackengrat). Dafür sollte man aber genau wissen, auf welcher Strecke man durch die Wand kommt.
FOTOS DER TOUR